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Aus der Sicht einer Mutter

Auf der Suche nach einer passenden Grundschule für unsere Kinder machte uns eine Bekannte auf die Matthias-Claudius-Schule ... Gemeinschaftsgrundschule mit Montessori-Arbeit... aufmerksam.

 

Wir konnten uns anfangs unter jahrgangsgemischtem Unterricht der Klassen 1-4 wenig vorstellen. Deshalb nutzen wir die Einladung zum Hospitieren. In der Pause davor trafen wir die „MiKi-Mütter“, die jeden Mittwoch in der ersten Pause ein Frühstück für die Kinder anbieten. Sehr offen und hilfsbereit erklärten Sie uns schon einmal, wie ein Stundenplan aufgebaut ist, wie der Fachunterricht abläuft (hier lernen Kinder aus einer Jahrgangsstufe zusammen) und was in der Freiarbeit passiert. Neugierig besuchten wir dann eine Stunde Freiarbeit. Was wir dort erlebten, begeisterte uns:  Das war Schule, wie sie sein sollte! Ich weiß zwar nicht, wie die Lehrerin das machte und bei jedem Kind wusste, was es zu tun hatte ... aber diszipliniert arbeitete jedes Kind für sich oder in Gruppen mit anderen zusammen. Freiarbeit heißt eben nicht, frei rumtoben und sich Aufgaben suchen (oder sie vermeiden), sondern Pflichtaufgaben oder Aufgaben zu einem Thema zu bearbeiten. In seinem Tempo, mit geeigneten Materialen, viele auf Montessori basierend, die in den großen Regalen frei zugänglich waren, wie die Goldenen Perlen, die blauen Körpern... aber Halt - Jetzt bin ich schon mittendrin!

 

Nach dem Hospitieren in der Freiarbeit war unsere Entscheidung gefallen: Hier konnten wir uns unsere Kinder vorstellen! Es war eine Freude zu sehen, wie die Kinder unterschiedlichen Alters konzentriert und leise zusammenarbeiteten. Während alle offensichtlich wussten, was sie zu tun hatten, hatte die Lehrerin auch noch Zeit, uns im Flüsterton zu erläutern, wer an was arbeitete, dabei immer den wachsamen Blick im Klassenzimmer schweifend.

 

Viele Eltern können sich so ein Arbeiten, das die Selbständigkeit und ein strukturiertes Arbeiten fördert, gar nicht vorstellen. Ihnen sei gesagt: Die MCS unterrichtet nach Lehrplan alle gesetzlich vorgeschriebenen Lehrinhalte ... nur der Weg zum Erfolg unterscheidet sich von „normalen“ Grundschulen. Die Kinder lernen, zu lernen. In den Freiarbeitsstunden arbeiten sie sowohl an – von den Fachlehrern gestellten – Pflichtaufgaben als auch an Themen, die sie sich selber aussuchen. So kann es sein, das ein Kind gerade Rechenaufgaben spannend findet und sich damit beschäftigt, während das nächste eine Geschichte schreibt.

Die Kinder haben darüber hinaus auch – jahrgangsgebundenen – Fachunterricht. Das bedeutet, die Fächer Deutsch, Mathematik, Religion, Englisch, Musik und Sport werden innerhalb einer Altersstufe unterrichtet (alle Erstklässler, alle Zweitklässler etc.). Die hier vermittelten Inhalte werden in der Freiarbeit vertieft und ergänzt.

Da Freiarbeitslehrerin (= Klassenlehrerin) und Fachlehrerin meistens 2 unterschiedliche Personen sind, gibt es auch innerhalb der Lehrerschaft Feedback und Austausch über die Kinder. Eventuelle Probleme werden ggf. schneller und leichter erkannt und die Kinder werden alle sehr individuell gefördert.

 

Vier Jahre sind wir jetzt schon an der MCS und ich kann Ihnen versichern, wir würden für beide Kinder – so unterschiedlich sie auch sind – immer wieder dieselbe Entscheidung treffen. Der Start in die 1. Klasse war für beide toll. Sie bekamen nicht nur einen großen Viertklässler als Paten an die Seite (der sich auch wirklich rührend kümmerte), sondern fügten sich mit einer kaum zu glaubenden Leichtigkeit in die Klassengemeinschaft ein (nicht vergessen: es waren ja schon die 2.-,3.- und 4.-Klässler da!). Gleiches galt im Übrigen auch für uns als Eltern! Diese Erfahrung hat unsere Kinder geprägt, sie lassen sich auch heute noch ohne Angst und Vorurteile (auch alleine!) auf neue Situationen und Umgebungen ein. Selbst die Klassenfahrt in der 1. Klasse mit gerade mal 6 Jahren und 3 Übernachtungen war überhaupt kein Problem, sondern eine weitere positive Erfahrung. Sie haben tolle Projektwochen erlebt, von der SingPause profitiert, das Sportabzeichen gemacht und viele einzelne Erlebnisse genossen. Das soziale Miteinander hat sie sehr geprägt. In der vierten Klasse wurde unser Sohn „Patenonkel“, das war für ihn eine unvergesslich schöne Zeit mit seinem kleinen Paten. Der Übergang zur weiterführenden Schule war für ihn undramatisch. Fachlich sehr gut vorbereitet, an selbständiges Arbeiten alleine oder in einer Gruppe gewöhnt und offen für neue Situationen ging der Schulwechsel erstaunlich einfach vonstatten. Unsere Tochter ist nun im letzten Schuljahr. Der endgültige Abschied von der MCS wird uns im nächsten Sommer garantiert sehr schwer fallen. Wir blicken dann jeweils dankbar auf vier gute, prägende Jahre für unsere Kinder zurück.

 

Wir sind überzeugt, dass das altersgemischte Lernen und der hohe Anteil der Freiarbeit viele Vorteile für die Kinder haben und können nur jedem empfehlen, sich einmal selbst bei einer Hospitation ein Bild zu machen und sich das Prinzip erklären zu lassen. Danach hat man ein sehr klares Gefühl, ob dieses Schulangebot zu seinem Kind passt und ob sich das Kind und auch die Eltern an dieser Schule wohlfühlen.

 

Camilla Altvater

September 2015

 

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